Employer Branding: So werden Gastronomien zu Arbeitgeber-Marken

In Zeiten immer knapperer Personalressourcen in der Branche kommt es umso mehr darauf an, dass gastronomische Betriebe sich arbeitgeberfreundlich positionieren und dieses auch kommunizieren. Wie geht das? Fünf Tipps.

1. Die Basis schaffen: „Inventur”

Wer ein guter und attraktiver Arbeitgeber sein will – und gutes, attraktives Personal finden und binden will –, der muss vieles leisten, damit Mitarbeiter nicht nur zufrieden, sondern im besten Fall sogar glücklich sind. Ein gutes Betriebsklima, Möglichkeiten für Mitarbeiter, mitzubestimmen und aufzusteigen oder Weiterbildungsangebote (intern und extern) sind genauso wichtig wie eine angemessene Bezahlung. Gibt es einen Rückzugsort für die Pause? Regelmäßige Teammeetings, die nicht nur Chefansprache sind, sondern Feedbackforum und Ideenpool? Können Küchen-, Bar- und Servicepersonal an Schulungen, Wettbewerben und anderen Aktivitäten teilnehmen? Viele Fragen müssen im ersten Schritt beantwortet werden. Ein Blick von außen, zum Beispiel eines Beraters, hilft.

2. Werte plastisch formulieren

Wofür steht mein Betrieb eigentlich, bezogen auf das Thema Personal? Welchen Umgang pflegen wir miteinander, mit unseren Gästen? Welche Formen der Ansprache nutzen wir, wie gehen wir – im Team oder im Kundengespräch – mit Konflikt- und Beschwerdesituationen um? Das Selbstverständnis schriftlich zu formulieren und so jedem (neuen) Mitarbeiter zugänglich zu machen, ist aufwändig, aber effektiv. Dabei sollte beachtet werden, dass es konkret und beispielhaft ist. Etwa so: „Wenn es zu einer Meinungsverschiedenheit mit einem Kollegen kommt, wird diese nie vor dem Gast ausgetragen. Wir einigen uns darauf, die Uneinigkeit nach der Schicht zu besprechen.“ Ein Wert kann auch sein: „Wir gehen verantwortungsvoll und nachhaltig mit den Ressourcen um. Deswegen steht in unserer Karte, dass wir Gästen nicht aufgegessene Speisen gerne eingepackt mitgeben. So bauen wir Hemmungen ab, danach zu fragen, und reduzieren unsere Lebensmittelabfälle.“

3. Mitarbeiter einbeziehen

Gastronomie ist ein „people business“. Gute Speisen und Getränke sind die Basis, ein ansprechendes Interieur spielt eine wichtige Rolle, doch an erster Stelle stehen die Menschen – die Mitarbeiter. Wie nimmt das Team mein Unternehmen wahr? Wo gibt es Verbesserungsmöglichkeiten? Wie ließe sich die Außendarstellung optimieren? Kennt einer meiner Mitarbeiter jemanden, der Lust hätte, mitzuarbeiten? Gerade, um die letzte Frage positiv zu beantworten, bedarf es – siehe Punkte 1 und 2 – einer guten Basis. Denn eine Weiterempfehlung, bekanntlich die beste Form des Marketings, geschieht nur, wenn jemand von sich aus dazu motiviert ist. Das gilt für Gäste, die auf diesem Wege neue Gäste „anwerben“, genauso wie für Mitarbeiter. Ein wenig nachhelfen könnte man als Chef durch eine Erfolgsprämie.

4. Neue Wege in der Kommunikation gehen

Auf die Stellenanzeige in der lokalen Zeitung oder in der Fachzeitschrift hat sich niemand beworben? Es könnte daran liegen, dass der Stellenanbieter diejenigen, die sich für einen Job interessieren würden, dort gar nicht abholt – denn eigentlich ist es heute so, dass sich Unternehmen bei potenziellen Mitarbeitern bewerben, nicht mehr umgekehrt. Besonders in der Gastronomie. Was hilft? Ein unterhaltsam-informatives Video über das Unternehmen und die freie Stelle, das über Social Media geteilt wird (es muss nicht viel kosten, auch Smartphones machen mittlerweile passable Clips). Ein Chef, der sich vor eine Berufsschulklasse stellt und erzählt, was er zu bieten hat. Oder ein Tag der offenen Tür? Eine Standardlösung gibt es nicht. Auch hier ist der Einbezug des Teams zwecks Ideenfindung sicher hilfreich.

5. Sich von der Hotellerie inspirieren lassen

Der große Bruder der Gastronomie, die Hotellerie, ist in Sachen Employer Branding schon viel weiter: Hier geht aktuell um Themen wie das erfolgreiche Onboarding (Integration neuer Mitarbeiter), um die Förderung, das Mitentscheidungsrecht und um Incentives für Auszubildende (auch, um die Abbrecherquoten zu minimieren), um Austauschprogramme mit anderen Häusern für Köche und vieles mehr. Natürlich haben Hotels, zumal die Ketten, mehr Gestaltungsspielraum, auch finanzieller Art. Doch vieles, was dort getan wird, lässt sich im Kleinen auch im gastronomischen Betrieb verwirklichen.

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